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Auch wenn man von der aktuell herrschenden Situation nicht direkt betroffen ist, können sich die weit verbreitete Angst, Unsicherheit und andere Verstimmungen ansteckend auf das menschliche System übertragen. Hier erfährst Du, wie das Gefühl der Angst im Körper gehalten wird und welchen Lösungsansatz die Grinberg Methode® dafür bietet. 

 

 

Auszüge aus einem Interview mit Katinka Priegnitz bei ich-habe-auch-angst.de

 

JANETT:

Die Manifestation von Angst im Körper kennt wahrscheinlich jeder auf die eine oder andere Weise: Vielleicht sind es die quälenden Kopfschmerzen, die Magen-Darm-Schwierigkeiten, die schlappen oder auch schweren Beine. Oft sind auch die Nacken- und Schultermuskeln verspannt oder es treten grippale oder allergische Reaktionen auf. Bei wiederum anderen Menschen treten Atemprobleme oder Hautreizungen auf, vielleicht sogar Panik. Avi Grinberg ging davon aus, dass es Menschen an der Fähigkeit mangelt, ihre natürlichen Ressourcen zur Selbstheilung zu nutzen, um die negativen Einflüsse bestimmter Umstände, die ihre Lebensqualität einschränken, auszuräumen.

 

KATINKA:

Schon früh geraten Menschen immer wieder in Zeiten großer Angst in einen Zustand der Überforderung, wodurch sie anfangen, sich zu verschließen und ihren persönlichen Umgang mit der Angst als Niederlage oder Versagen zu erleben. Diese alten Erfahrungen der Überforderung tragen sie schließlich als „Angst vor der Angst"-Reaktionen durch ihr Leben weiter. Begegnen diese Menschen im heutigen Leben Situationen des Unbekannten und des Neuen – wodurch neue, frische Angst geweckt wird – werden diese alten Erinnerungen des Versagens mit der Angst aktiviert und verschließen so den Zugang zu neuen, potentiell bereichernden und ihren Selbstwert steigernden Erfahrungen.

 

In bestimmten Abschnitten konzentriert sich der Grinbergsche Lernprozess daher auf „alte“ im Körper gespeicherte Angst. Die Sitzungen werden dazu genutzt, die alte Angst im kontrollierten Raum der Grinberg-Sitzungen aktiv zu erkunden und die durch Überforderung gefangenen „Angstflüsse“ (Angst ist eine Art Strom von Energie im Körper) freizusetzen. Dabei lernt der Klient, dass der Körper diese riesigen Mengen an Angst sehr wohl zu verarbeiten weiß. Der Klient befähigt sich, ehemalige, teilweise traumatische Situationen der Überforderung zu verdauen. Hier wird auch die spezielle Qualität der Grinberg Methode® sichtbar: Während unser Selbst (unser Kopf) den Eindruck entwickeln kann, an einer Situation nahezu „zu sterben vor Angst“, ist der Körper – wenn man ihn lässt – durchaus fähig, eine gewaltige Menge an Angst zu verarbeiten. Dieses Zulassen der Angst passiert in der Regel dadurch, dass man der Angst erlaubt, sich im Körper auszudehnen.

 

JANETT:

Was passiert auf körperlicher Ebene bei diesen „Angst vor der Angst“-Reaktionen?

 

KATINKA:

Angst wird durch die oben beschriebenen Erfahrungen dadurch zu etwas, wogegen die Menschen versuchen, sich zu schützen. Sie ziehen sich automatisch zusammen. Es gibt drei Grundmuster, auf Angst zu reagieren: Kämpfen, Flüchten oder Totstellen. Der Hochsensible Mensch beispielsweise tendiert zum Flüchten oder Totstellen. Im Körper drückt sich der eine, wie auch der andere Zustand, darin aus, dass wir uns klein machen und alles zusammen ziehen. Was wir eigentlich versuchen, ist das Gefühl von Angst in unserem Körper weniger deutlich zu spüren und es stattdessen lediglich aus dem Gefühl der Überforderung zu managen.

 

Das Vermeidungsverhalten führt zu einem realen Energieverlust im Körper, weil wir Energie investieren müssen, um uns zusammenzuziehen und zu halten. Am Ende fehlt genau diese Kraft, um das alt erlernte Gefühl von Überforderung zu überwinden und uns der Angst real zu stellen, dadurch neue Energie und Selbstvertrauen zu gewinnen. Ein Teufelskreislauf entsteht, aus dem es oft unmöglich scheint auszubrechen.

 

In der praktischen Anwendung zeige ich, wie und wo Angst und Schmerz im Körper gehalten werden. Ich bringe meinen Klienten bei, wie sie diese individuelle Reaktion auf Angst körperlich halten und auch, wie sie sie wieder loslassen können. Der Klient lernt durch eine bewusste Entscheidung, seinen Körper wieder zu spüren und ihn durch seine Aufmerksamkeit und verstärkte Atmung auszudehnen, sich der Angst wieder zu stellen und die darin gehaltene Energie wieder zurückzugewinnen.

 

Vor der Angst wegzulaufen, macht uns klein und hilflos. Sich mit ihr auszudehnen (und sich in gewissem Sinne mit ihr anzufreunden), gibt uns die Möglichkeit, die „Spirale der Angst vor der Angst“ zu verlassen und neue Momente zu erleben, in denen wir zwar spüren, was uns Angst macht, uns aber nicht davon überfordert fühlen. Hier wird deutlich, dass das bewusste Ausdehnen mit Angst auch ein Ausdehnen im Leben bedeutet und ein essentieller Baustein auf dem Weg zu einem erfüllten Leben ist.